The Watchmen, eine Verfilmung für die Tonne

Im Grunde genommen gibt es nichts leichteres, als einen Comic zu verfilmen, könnte man denken. Immerhin ist das Storyboard ja schon fertig. Jetzt muss man nur hie und da noch ein bisschen nachdenken, wie man die Bilder in die Kamera kriegt, aber mit dem Fortschritt der CGI ist auch das kein allzu großes Problem mehr. So jedenfalls scheint Zack Snyder an die Verfilmung von Watchmen rangegangen zu sein. Viel werktreuer kann man ein Buch gar nicht verfilmen.

The Watchmen

The Watchmen

Huch, hab ich Buch gesagt? Aber es ist doch nur ein Comic! Mitnichten. Im Gegensatz zu vielen anderen Comics, die auf diese Weise verlustfrei zu verfilmen wären, ist Watchmen eigentlich ein Buch. Viele andere Comics funktionieren tatsächlich wie ein Screenplay, weil sie der Grammatik von Film folgen. Watchmen tut das aber nicht und hat deswegen auch zu Recht Auszeichnungen abgesahnt, die ansonsten Büchern vorbehalten sind.

Beispiele: Watchmen ist viel komplexer arrangiert, als es einem Film gut tut, die vielen Rückblenden bilden ein extrem verschachteltes Werk. Watchmens Bilder müssen länger betrachtet werden, da vieles im Hintergrund geschieht und vor allem dort die hoffnungslose Atmosphäre produziert wird, das diesem Kind der 80er Jahre eigen ist. Die Sympathie für bestimmte Charaktere wird immer wieder gebrochen und ins Gegenteil verkehrt. Damit dieser Prozess funktioniert, braucht der Leser Zeit, um sich mit den Charakteren auseinander zu setzen.

Dass die Geschichte von Watchmen Zeit benötigt, die der Film nicht hat, weil er sich weigert, die Geschichte nach den Regeln des Films umzugestalten, ist das Problem. Das Resultat ist Langeweile. Denn was am Comic berührt, Atmosphäre und Charaktere, geht im Film verloren. Bilder im Film, zumal in einem eher actionlastigen wie Watchmen, bleiben nicht lange genug sichtbar, um die vielschichtige Betrachtung zuzulassen, die im Comic nötig war. Ersetzt wird die paranoide Atmosphäre durch nichts, außer ein paar expliziten Gewalteinlagen. Die sind aber kaum genauso wirkungsvoll. Auch die Charakterzeichnung braucht mehr Zeit, weil sie wie in einem Buch vor allem über Details und Zwischentöne funktioniert. Snyders akkurate Übertragung der Bilder ins Medium Film ist auch hier wieder zu schnell, als das sie funktionieren könnte. Resultat: die Charaktere funktionieren nicht mehr, der Film wird langweilig.

Natürlich hätte man The Watchmen wunderbar verfilmen können. Nur hätte man sich unbedingt von der Werktreue verabschieden müssen und genauso selektieren und übersetzen müssen, wie es bei einer Romanverfilmung nötig wäre. Nur hat sich der Regisseur davon täuschen lassen, dass ein Comic bebildert ist. Schade, diese Verfilmung ist jetzt für die Tonne.

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